Read more: Opa war ein Nazi
Residenz: September - Oktober 2020

Auf einem Handybildschirm erscheint die Gestalt eines jungen Mannes. Er steht an eine Wand gelehnt, Blick in die Kamera. Die Zigarette hängt lässig im rechten Mundwinkel, die linke Hand ist locker in die Jacke seiner Marine-Uniform geschoben.


Ein Schwarz-Weiß-Foto auf einem iPhone, abfotografiert aus dem Familienalbum. Ein Foto, das einen Großvater zeigt, etwa in dem Alter des Enkels jetzt. Dennis Dieter Kopp hat seinen Großvater nie kennengelernt. Die familiäre Überlieferung fußt auf einigen Fotos und fragmentarischen Erzählungen. Er war Röntgenassistent, liebte Autos, hatte eine Affäre mit seiner Sekretärin – und eine Karriere in der nationalsozialistischen Kriegsmarine. In den vorhandenen Fotos ist Kopps Großvater zu einer Ansammlung ewiger Posen erstarrt. In „Opa war Nazi“ forschen wir, ausgehend von der familiären Leerstelle, an einer Männerfantasie. Durch Versuche der Übernahme, Subvertierung und Ver-Queerung befragen wir die Posen eines Mannes – und mit ihm und durch ihn eine ganze Generation von Männern, die unsere Gesellschaft, unsere Geschichte und unsere Beziehung zu uns selbst gravierend geprägt, für immer pervertiert und viel zu lange beherrscht haben. Ziel der Residenz ist das Erarbeiten eines performativen Comic-Familienalbums, in dem wir die Bilder auseinandernehmen und in ihren einzelnen Teilen hinterfragen.

Die Performance „Opa war Nazi“ ist eine interdisziplinäre Kollaboration von Denis Dieter Kopp (Performance, Text), Nora Schön (Bühnenbild/ grafische Gestaltung/Text), Angela Queins (Kostümbild/Text), Marie Simons (Text/ Outside-Eye)